Interview - Frank Gustavus über 'BLACKOUT'


Frank Gustavus, ist - wie er sich selbst nennt - Hörspielmacher, also Regie, Buch und Produktion erledigt er für seine Werke selbst. Im letzten Jahr beglückte er uns mit "Jack the Ripper", dieses Jahr wartet ein "BLACKOUT" auf uns...

Das Interview wurde mit Frank Gustavus und mir (Detlef Kurtz) per e-Mail vom 10. Juli 2002 bis 12. Juli 2002 geführt.




1. Es ist jetzt bald über 1 Jahr her das "Jack The Ripper" erschienen ist, man sagt zwar „Gut Ding will Weile haben“, aber warum brauchst du so lang?

Weil ich ein 150-Prozentiger bin- und so dauert´s halt! Das Buch muß erst mal geschrieben sein, dann wird es überarbeitet, und noch mal überarbeitet und noch mal und noch mal.... Dazwischen liegen immer einige Wochen. Schriftsteller brauchen für ihre Romane manchmal einige Jahre- und die müssen „nur“ schreiben und überarbeiten. Ich muß schreiben, alles organisieren, planen, besetzen, machen. Das dauert. Ich stelle mir das Hörspielmachen so vor, als wenn ich einen kleinen Film machen würde- da schaffen die wenigsten mehr als einen pro Jahr- es gibt natürlich Ausnahmen, aber zu denen zähle ich nicht. Dazu kommt, daß ich auch noch einen anderen Job habe, den des Sprechers, wo es auch immer was zu tun gibt, wo Lesungen oder andere Manuskripte vorbereitet werden wollen und müssen. Wenn Du auf den Output anderer Labels anspielst- die haben ihre Autoren, setzen Buchvorlagen um, haben mehr Leute im Team und vielleicht auch mehr Kohle. Oder vielleicht sind sie einfach nur schneller.....

2. Um was geht es bei "Blackout" (Genre, Handlung)?

„BLACKOUT“ ist die Geschichte eines in die Jahre gekommenen abgehalfterten Hollywood-Schauspielers mit deutschen Wurzeln, der sich mit kleinen Rollen und Alkohol durchs Leben schlägt. Er will aus der Film-Maschine aussteigen und in Europa noch mal ganz von vorn anzufangen. Der Traum erfüllt sich auch- aber anders, als der Schauspieler es sich gedacht hatte: Nach einem Unfall in den Hollywood-Hills findet er sich in Berlin wieder- allerdings im Jahr 1941, und dort gerät der Mime in echte Schwierigkeiten... Das Genre, tja... Ich bin nicht so ein Schubladendenker, und bei „BLACKOUT“ kann man es schon gar nicht so genau sagen. Das Hörspiel hat auf jeden Fall Abenteuer-, Mystery- und auf ´ne Art auch Sci-Fi-Elemente, obwohl ich weiß Gott kein Sci-Fi-Freund bin. Vor allem aber ist es eine bitterböse Satire.

3. Wird wieder ein 70 Min.-Werk draus?

Zwischen 60 und 70 min. ist alles möglich. Von den Skriptseiten her sind es genauso viele wie beim „Ripper“. Mal sehen!

4. Wo wird man dein Hörspiel bekommen?

Die CD wird zunächst über die RR-Homepage und- per ISBN- über den Buchhandel bestellbar sein. Wenn sich ein Vertrieb der Sache annimmt, wird „BLACKOUT“ auch in den Buchläden auf den Tischen liegen bzw. in den Regalen stehen, was aber eben nur geht, wenn ein Vertriebs-Vertreter das Ding im Gepäck hat und dem Handel anpreist.

5. Wie gehst du beim Casting vor, hast du schon beim Schreiben des Drehbuchs die Stimmen im Kopf?

Einige Stimmen habe ich beim Schreiben im Kopf, andere Rollen sind noch „neutral“. Bei diesen überlege ich mir beim Überarbeiten, wer sie am besten spielen könnte. Dazu ziehe ich mein Hirn zu Rate, sehe mir Theaterstücke und Filme an, höre andere Hörspiele, forsche im Netz usw. Dann lese ich das Skript wieder und setze verschiedene Stimmen gedanklich ein. Wer dann am besten paßt, wird angerufen. Wenn einer von den Sprechern dann nicht kann, keine Lust hat o.ä., wird weitergesucht, und meistens gerät die Rolle dann an den/die Richtige(n).

6. Auf wen dürfen wir uns denn freuen, und warum? (warum DER oder DIE ;-)

Wir dürfen uns freuen auf:
Helmut Krauss,
Dietmar Mues,
Ulrike Frank,
Lutz Mackensy,
F.-J.Steffens,
Aranka Mamero-Jaenke,
Volker Bogdan,
Achim Schülke,
Robert Missler,
Katrin Gerken und Werner Cartano.

Bei den übrigen Sprechern gibt es noch Unklarheiten, aber die eben genannten sind die „Stars“. Daß ich Dietmar Mues wieder dabeihaben wollte, war sofort klar, nur sollte er, um Parallelen zum „RIPPER“ zu vermeiden, nicht den Protagonisten sprechen. Die Rolle, die er jetzt spielen wird, paßt aber auch viel besser zu ihm- obwohl der Mann wirklich fast alles spielen kann... Mit Helmut Krauss hatte das Schicksal seine Hand im Spiel: Ich sah mir eines Tages zum x-ten mal „Pulp Fiction“ an und dachte mir „Die Stimme von Samuel L. Jackson mußt du irgendwann in einem Stück besetzen- nur, wer ist dieser Mann?!?“. Zwei Wochen später sah ich mir in HH zu Castingzwecken das Musical „Emil und die Detektive“ an und lernte danach in der Kantine Helmut Krauss kennen, der mitgespielt hatte. Beim Erzählen über seine Synchronarbeit fielen plötzlich Worte wie „Fußmassage“ und „leckerer Burger“ und da bin ich natürlich fast vom Stuhl gefallen, hatte ich doch hier den Mann vor mir, den ich gesucht hatte. Ich schickte ihm das Stück und er war dabei! Auch Ulrike Frank, die weibliche Hauptrolle in „BLACKOUT“, habe ich in dem HHer Musical spielen sehen und sprechen hören. Auch sie hat mich sehr beeindruckt und wurde engagiert. Lutz Mackensy wollte ich schon als Eisenwarenhändler im „RIPPER“ dabeihaben, was damals aber nicht geklappt hat. Jetzt ist er an Bord, was mich besonders freut. Aranka Mamero war für die Rolle einer Berlinerin bestens geeignet. Sie wurde dort geboren und spricht die Berliner Schnauze wunderbar. Ihre Textpassagen wurden von einem Berliner Kollegen extra überarbeitet, damit die „Schnauze“ auch stimmt. Katrin Gerken hatte ich in HH am Altonaer- Theater spielen sehen; für sie war die Rolle einer überdrehten Filmproduzentengattin wie geschaffen. Robert Missler kam wegen seiner unglaublichen Wandlungsfähigkeit ins Boot. Auch er ist gebürtiger Berliner, da paßte die Rolle eines Berliner Polizisten wie die Faust aufs Auge. Daß F.-J.Steffens, Volker Bogdan, Achim Schülke und Werner Cartano in einem meiner nächsten Stücke wieder dabeisein sollten, war klar. Auch für sie paßte die Rollen in „BLACKOUT“ haargenau, da fand ich es nicht schlimm, daß sie auch schon im „RIPPER“ dabei waren.

7. Wie lang ist so ein Hörspielscript, damit es die 70 Min-Länge hat?

Bei mir sind es ca. 40- 45 Din A4 Seiten in einer 14er Schrift.

8. Was schreibst du in so ein Script rein?

Lustige Frage! Ich schreibe zu jeder Szene zunächst die Beschreibungen der Örtlichkeiten (wo spielt die Szene, wer ist dabei, was hört man alles). Dann die Dialoge und schließlich die Regieanweisungen (besondere Sprechhaltung/-art, Musikeinsätze, Geräusche). Das war´s! :-)

9. Blackout ist in den Startlöchern, weißt du schon jetzt was du als nächstes machen wirst?

Ich habe einige Stoffe im Kopf, davon zwei, die ich gern nach „BLACKOUT“ machen würde. Welchen davon zuerst, weiß ich noch nicht. Beide sind auf jeden Fall wieder etwas völlig anderes als „BLACKOUT“ und der „RIPPER“- obwohl sich eine bestimmte Handschrift schon herauskristallisiert...

10. Dein letztes Wort an die Leser dieser Seite bzw. an Deine Fans...

Danke für Eure bisherige Unterstützung; ich hoffe, daß Ihr mit „BLACKOUT“ genauso viel ´Spaß´ haben werdet, wie mit dem „RIPPER“.

Danke für das Interview!!




Links zum Thema

RipperRecords - Die Homepage
Rezension: Jack the Ripper @ HörNews.de
Frank Gustavus - Ein Interview von Sven Großmann @ HörNews.de (2001)
Frank Gustavus - Ein Interview @ hoerspiele.de (2001)

Das Interview ist Eigentum der www.hoernews.de und darf ohne Genehmigung 
nicht - auch nicht in teilen - wiedergegeben werden.
© 2002 by HörNews.de - D. Kurtz