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Frank Gustavus
 
vom 13./14. August 2001

 

 
 
 Pünktlich zum offiziellen Start des Erstlingswerkes "Jack The Ripper" vom Newcomer-Label 
 Ripper Records, gelang es der HörNews.de mit dem Autoren, Produzenten und Regisseur 
 Frank Gustavus ein paar Worte zu wechseln.

 Ein großes Dankeschön an Herrn Gustavus, der sich so bereitwillig für unsere Fragen zur 
 Verfügung stellte.

 Ein kleines Dankeschön an Holger Michel, für seine redaktionelle Unterstützung
 

INTERVIEW mit Frank Gustavus


 1.
Wie alt bist Du und wie lange bist Du schon Hörspielfan?

 
[Frank Gustavus] Ich bin 31 und seit 26 Jahren HSP-Fan.


 2. Hattest Du, wie viele Hörspielfans auch, zwischendrin 
 eine Pause? Welches ist Dein Lieblingshörspiel, sofern 
 es eines gibt?

 
[Frank Gustavus] Ich hatte nie wirklich eine Hörspiel-Pause. 
 Lieblings-HSP? Hmm: Dracula und Moby Dick, Karl-May-Serie 
 (alle Europa), Säulen der Erde, Der Alchimist.

 
 3. Im Inlay steht, neben anderen Danksagungen, auch ein
 Dankeschön an Gott - bist Du ein gläubiger Mensch?

 
[Frank Gustavus] Klar glaube ich, dass es da oben was gibt, 
 was uns hilft und uns den rechten Weg weist - ich nenne es 
 Gott, andere Buddha, Manitou oder Allah. Ich geh aber nicht 
 in die Kirche.

 
 4. Hast Du neben Hörspielen auch andere Hobbys?

 
[Frank Gustavus] Ich bin Trommler (im Moment aber inaktiv, 
 wegen eines kaputten Fingers), höre sehr viel Musik, lese 
 und sehe mir Filme an.

 
 5. Wenn Dir alle Möglichkeiten offen stehen würden - welchen 
 Stoff/welche Vorlage würdest Du Dir gerne für eine Hörspiel-
 umsetzung vornehmen?

 
[Frank Gustavus] Ich hatte mal an “Psycho” gedacht, aber Heyne 
 rückt keine Rechte raus. Ich hätte auch Spaß an einem großen 
 Historien-Epos. Wenn ich könnte, würde ich alle Verlage dazu 
 bringen, die Stoffe, die sie selbst nicht als Hörbuch/-spiel raus-
 bringen wollen, für andere Labels freizugeben. So wird aber alles 
 gehortet. Auch “Cape Fear” wäre da ein Kandidat ;)!

 
 6. Hast Du schon vorher im Hörspiel- oder einem ähnlichen 
 Bereich gearbeitet (wie z.B. Radio) und wenn ja, an welchen 
 Produktionen warst Du beteiligt?

 
[Frank Gustavus] Ich habe 6 Jahre lang als Reporter, Redakteur, 
 Moderator und Nachrichtenmann beim Hörfunk gearbeitet. Für 
 einen Sender habe ich auch Comedy geschrieben und zum Teil 
 inszeniert. Von daher war mir die Arbeit mit Stimmen, “Atmo”, 
 Geräuschen und Musik nicht fremd. Beim NDR habe ich mal eine 
 Hospitanz im Hörspiel gemacht, beim Altmeister Heinz von Cramer 
 und ich habe als Sprecher in einigen Hörbüchern und Hörspielen 
 (für Kinder) mitgewirkt - in welchen kann man bei
CHRIzzz lesen.

  
 7. Warum hast Du Dir ausgerechnet "Jack The Ripper" als 
 Ripper-Records-Debüt ausgesucht? Was reizte Dich an der 
 Figur? 

 
[Frank Gustavus] Als ich auf die Ripper-Idee kam, war natürlich 
 auch der Label-Name geboren. Die Figur als solche hat mich 
 schon als 12-jähriger interessiert, mit der Zeit habe ich mir dann 
 so ziemlich alles an Filmen, Dokus, Büchern etc. reingezogen. 
 Die Faszination kam wahrscheinlich daher, dass niemand 
 wusste, wer der Kerl war. Dazu noch das Ambiente: dunkle 
 Gassen, verrufene Spelunken u.ä. - Wahnsinn. Die Figur und 
 die Geschichte des James Maybrick warfen mich dann völlig 
 um: Dies war der richtige Stoff für eine gute Geschichte, denn 
 einen reinen Gruselstoff um einen Dunkelmann, den keiner 
 kennt, wollte ich nicht machen. 


 8.
War es schwer an so große Namen (Sprecher) zu kommen?
 
 
[Frank Gustavus] Nein, ich habe mir überlegt, wen ich dabeihaben 
 möchte, habe mir die Nummern dieser Menschen besorgt und sie 
 einfach angerufen, ihnen von dem Projekt und der Rolle, die sie 
 spielen sollten, erzählt - alle waren interessiert und ich habe ihnen 
 die Bücher geschickt, kurz darauf haben alle zugesagt. Für die
 Rollen, die noch unbesetzt waren, bekam ich Vorschläge: Werner 
 Cartano schlug Aranka Mamero-Jaenke als “Hure” vor, ich rief sie 
 an und sie war dabei. Für den Littlechild wollte ich gerne Joachim 
 Wolff haben, als er wegen Krankheit ausschied, empfahl mir Cartano 
 Jens Scheiblich, den wiederum rief ich in Südfrankreich im Urlaub an, 
 und als er wieder da war, las er das Skript - und war ebenfalls dabei. 
 Wolfgang Kaven sollte zunächst den Dr. Hopper geben, für die Rolle 
 des Gerichtsmediziners rief ich die Agentin von Uwe Friedrichsen 
 an: Ich erzählte ihr vom Stoff und sie sagte “Und Herr Friedrichsen 
 soll den Ripper spielen, nicht wahr?” Ich sagte “Nein, DEN soll 
 Dietmar Mues machen, Herr F. soll einen Gerichtsmediziner
 mimen” - damit war das Thema gegessen, denn sie meinte “Uwe” 
 würde nur den Ripper spielen wollen. Ich bat mir Bedenkzeit aus, 
 am nächsten Tag sagte Dietmar zu und ich Herrn Friedrichsen ab. 
 Ich wusste irgendwie, dass Mues der richtige Mann für diese Rolle 
 war!

 
 9.
Musstest Du ein wenig "nachhelfen" oder hat Dietmar 
 Mues die Rolle Maybricks von Anfang an so intensiv angelegt?
 
 
[Frank Gustavus] Da musste ich überhaupt nichts machen: Dietmar 
 kam, ging ins Studio und brauchte für jede seiner Szenen maximal 
 2 Takes. Er war so unglaublich gut, dass es uns einen Schauer 
 nach dem anderen über die Rücken jagte. Er “war” tatsächlich 
 sowohl das Drogenwrack, als auch der wahnsinnige Mörder. Ich 
 liebe ihn!

 
 10. Wie lange dauerten die Aufnahmen und mit welcher 
 Technik kamen sie zustande?  

 
[Frank Gustavus] Die Aufnahmen haben zweieinhalb (!) Tage 
 gedauert, denn wie Dietmar Mues richtig sagte: Es ging wie 
 im Rausch! Die Sprache wurde direkt in den Rechner aufge-
 nommen (Logic-System).

 
 11. Mußtet ihr bei den Aufnahmen auf eine bestimmte Hard-
 oder Software zurückgreifen, um den Effekt zu erreichen, 
 daß das Hörspiel einerseits wie auf der Höhe der Zeit wirkt, 
 aber andererseits trotzdem zu der Epoche paßt, in der die 
 Geschichte spielt?
 
 
[Frank Gustavus] Im Beating Heart-Studio hat der Tonmann 
 Manfred Knauff mit „pro-Tools“ gearbeitet, einem System, das 
 unendlich viele Spuren und Möglichkeiten in sich birgt, dadurch 
 wirkt das Stück, glaube ich, „up-to-date“. Das Bild der Epoche 
 kommt so gut rüber, weil die Geräusche stimmten. Allein die 
 Kutschen lassen einen schon ins alte England eintauchen, die 
 Bilder vom heruntergekommenen Whitechapel entstehen durch 
 die beschreibenden Monologe im Kopf des Hörers.

 
 12. Was war nervenaufreibender? Die Pre-Production, die 
 Aufnahmen oder die Post-Production?

 [Frank Gustavus]
Anstrengend war alles, aber alles hat auch 
 tierischen Spass gemacht.


 13.
Du hast auf das Tagebuch von James Maybrick zurück-
 gegriffen, welches ja beim Lübbe Verlag vorliegt.  Hattest 
 Du keine Bedenken, daß es von der Verlagsseite aus 
 Einwände geben könnte?

 
 [Frank Gustavus] Ich habe mein Skript und das Maybrick-Buch 
 von einem Anwalt prüfen und vergleichen lassen. Bis auf den 
 Arsen-Mord, den Florie angeblich an ihrem Mann begangen 
 haben soll (ich glaube ja, man hat ihn ihr in die Schuhe ge-
 schoben), musste ich nicht viel ändern - so kam die 
 Zyankali-Geschichte zustande.Ich habe mich ja auch nur an 
 Motiven aus dem Tagebuch und aus Maybricks Leben orientiert, 
 ansonsten Fakten verwertet und so, wie mir der Advokat ver-
 sicherte, eine eigenständige Neubearbeitung der Geschichte 
 geschaffen.

 
 14.
Wie früh fiel die Entscheidung, das Hörspiel nur auf CD 
 zu veröffentlichen? Immerhin liegt der Marktanteil der CD 
 bei Hörspielserien weit hinter dem der MC. Ist mittelfristig 
 mit einem MC-Release zu rechnen?


  [Frank Gustavus]
Dass es das Stück nur als CD geben würde, 
 war vom ersten Gedanken an klar. Ich bin kein großer Freund der 
 MC, noch nie gewesen, außerdem wäre die Idee mit dem 
 Digipak mit einer MC nicht umzusetzen gewesen. Ob “Jack the 
 Ripper” mittelfristig auch als MC erscheinen wird, wird, denke ich,
 die Nachfrage zeigen. Wenn jetzt 2000 Leute sagen würden: “Wir 
 kaufen das Ding nur auf MC”, dann würde ich mich, aus finanz-
 politischen Aspekten und als kleines Label, wohl kaum dagegen 
 sperren können.

 15. Wird Ripper Records in absehbarer Zeit auch mit einem 
 renomierten Vertrieb zusammenarbeiten, so wie Meteor 
 jetzt mit Edel?

 
[Frank Gustavus] In diesen Tagen laufen tatsächlich Gespräche 
 mit einem Vertrieb - aber über ungelegte Eier sollte man nicht 
 sprechen - bringt Unglück!


 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 
 Das Interview führte Sven Großmann.
 
 Wir bedanken uns bei Frank Gustavus für seine schnelle Beantwortung 
 der Fragen, die er uns per eMail zukommen ließ! 
 
 Das Interview ist ein Service von HörNews.de
 

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     Ins Netz gestellt am 15. August 2001
                                                                           

                                                                         


Links zum Thema


 HörNews.de - Rezension zu "Jack The Ripper - Die Geschichte eines Mörders"

 Ripper Records Homepage