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 Manuel Rösler
 vom 24. April 2001 

 

 
 
 Die bisher größte Überraschung auf den Jugendhörspielmarkt bescherte uns Edel mit der Herausgabe
 von Point Whitmark. Besonders  ragt der Soundtrack der Serie hervor, ein Grund mehr den 
 Komponisten der Titelmelodie zu Interviewen...
 
 

 1. Wie lange arbeitest du schon professionell im Musikbereich?
 Hmm, das ist schwer zu sagen. Wenn man "professionell" so definiert, daß man mit Musik Geld 
 verdient, dann lautet die Antwort: Seit etwa 1988. Angefangen habe ich als Kirchenmusiker in 
 kleinen rheinischen Dörfern (in der Nähe von Jülich) - das heißt, ich habe Orgel gespielt und 
 Chöre geleitet. Bald kam jedoch bei mir der Ehrgeiz hinzu, meine eigene Musik für den Gottes-
 dienst zu schreiben, die ich dann mit Freunden und Bekannten aufgeführt habe. Bezahlt wurde 
 das - wie in der katholischen Kirche üblich - eher schlecht, aber ich konnte viel experimentieren 
 und die Pfarrer haben mir meistens freie Hand gelassen. Ich denke mal, daß man meiner Musik 
 schon damals eine gewisse Vorliebe für Hollywoodklänge nicht absprechen konnte. ;-)

 
 2. Welches war deine erste "abgenommene" Arbeit?
 Die "Overbacher Messe", komponiert 1990 anläßlich des 75jährigen Bestehens des Gymnasiums 
 Haus Overbach und von Martin te Laak mit dem Overbacher Kinderchor uraufgeführt. Honorar 
 damals: DM 500,- oder ein Atari 1024 ST (ich hab mich für das Geld entschieden, weil ich damals 
 einen schicken 286er haben wollte). 


 3. Wie kommst du an deine Aufträge?
 Wie überall im Leben, gilt auch hier: Wenn man erstmal "drin" ist, kommen die Aufträge eigentlich
 von selbst. Die Schwierigkeit besteht darin, in den erlauchten Kreis der Auftragskomponisten zu 
 gelangen. Ich hatte das Glück während meines Studiums als Komponist und Arrangeur in einem 
 Kölner Tonstudio zu arbeiten, das unter anderem die Musik für "RTL Samstag Nacht" und andere 
 TV-Shows produziert hat. Ich galt dort als der Klassiker (das heißt, ich konnte Noten lesen und 
 schreiben...) und habe recht schnell die Aufträge übernommen, in denen der Einsatz eines Orchester 
 gefragt war. 1997 habe ich mit Wieland Reissmann und Martin Ernst die Musik für die 150-Jahr-
 Feier von Siemens in Berlin komponiert (für ein Orchester von 88 Spielern in Berlin und 35 Musiker 
 in Tokio, New York, Kapstadt und Sydney, die über Satellit live eingespielt wurden) und galt 
 seitdem als "Spezialist" für Großprojekte. 

 
 4. Wann hast du mit der Arbeit an den "Point Whitmark Songs" angefangen?
 Das Titelstück "Point Whitmark, N.H." war (wenn ich mich recht erinnere) Anfang 1999 fertig, als 
 die Serie gerade entwickelt wurde. Die übrigen Titel sind im Laufe der Produktion hinzugekommen, 
 die Orchesterstücke (insgesamt etwa 40 Minuten), sind sogar innerhalb der letzten drei Wochen vor 
 der Aufnahme entstanden. In diesem Zusammenhang sollte ich unbedingt noch erwähnen, daß ja 
 keineswegs der ganze Soundtrack von mir stammt, sondern daß z.B. die jazzigen Nummern aus 
 den Feder von Markus Segschneider (der auch das Gitarrensolo in der Titelmelodie eingespielt hat) 
 und Volker Sassenberg stammen. Mein Beitrag sind die vor allem die Orchesterstücke oder Stücke 
 wie die aus den Teasern zu "Insel der letzten Rache" und "Villa der vergifteten Bilder".


 5. Die Titelmelodie von Point Whitmark erinnert ein wenig an "Picket Fences" oder 
 Mike Post-Titel, sind US-Komponisten Vorbilder für dich, oder ist die Ähnlichkeit 
 nur ein Zufall?

 Purer Zufall, natürlich! Nein im Ernst - Point Whitmark sollte von Anfang an einen "filmischen" 
 Soundtrack erhalten und wenn man sich professionell mit Filmmusik beschäftigt, kommt man an 
 den Jungs aus Hollywood nicht vorbei. Ich selbst sammle seit etwa 1988 Filmmusik (meine erste 
 LP war - natürlich - "Return of the Jedi") und habe eigentlich keine speziellen Favoriten - wenn 
 man von Bernard Herrmann und John Williams absieht, deren Partituren für jeden Komponisten 
 von Filmmusik zur Pflichtlektüre gehören.

 Bei der Titelmelodie war die Vorgabe schon klar: Sie sollte zeitlos sein und Assoziationen an eine 
 typische Kleinstadt an der amerikanischen Ostküste wecken. Am besten sollte man schon beim 
 Hören die weiss verschindelten Reihenhäuser mit Doppelgerage an der kastanienbestandenen Allee 
 vor sich sehen, an denen ein elfjähriger Zeitungsbote vorbeiradelt und einen Rentner in brauner 
 Strickjacke grüßt, der seinen Rasen mäht... 

 Es gab eigentlich kein bestimmtes Vorbild für das Titelthema, aber es gibt eine ganze Reihe von 
 musikalischen "Bausteinen", die immer dann Verwendung finden, wenn amerikanische Kleinstadt-
 idyllen in Musik gesetzt werden sollen. Dazu gehört der einleitende hohe Streicherton mit dem 
 Klaviersolo, die seit Aaron Copland aus der amerikanischen Musik nicht mehr wegzudenkenden 
 Sextparallelen, Country&Western-Harmonik á la John Denver und ein unaufdringliches, "cool" 
 gespieltes Schlagzeug. Neben Picket Fences fallen mir da spontan zwei weitere Stücke ein, in 
 denen dasselbe Rezept verwendet wird: "Hill Street Blues" von Mike Post (sic!) und "The Feather 
 Theme" aus Forrest Gump von Alan Silvestri). 


 6. Wie schreibt man überhaupt Musik zu einem Hörspiel? Hörst du vorher das 
 Hörspiel ohne Musik - wie in der Filmbranche?

 Der Unterschied zwischen Film- und Hörspielmusik besteht darin, daß man beim Film eindeutige 
 Zeitvorgaben hat, die definitiv zu erfüllen sind: 3:47 min. "Spannung" sind eben nicht dasselbe 
 wie 3:44 min. "Spannung". Im Film müssen zudem bestimmte auf der Leinwand sichtbare Vor-
 gänge "getroffen" werden, also ein ganz bestimmter Takt auf ein ganz bestimmtes Bild gelegt 
 werden (es macht keinen Sinn, wenn Darth Vaders Motiv erst dann erklingt, wenn der dunkle 
 Lord schon wieder aus dem Bild ist und wir längst auf Luke und Leia geschnitten haben). Zudem 
 besteht ein Film aus vielen kleinen Schnitten - ein Hörspiel hingegen aus wenigen langen Szenen. 

 Wenn ich - wie jetzt gerade - an den Musiken für die nächsten Folgen schreibe, dann lasse ich 
 mir die allgemeine Stimmung der Folge erzählen und entwickle dann ein "Themenpaket", also ein 
 Hauptthema für die jeweilige Folge und davon abgeleitet etwa 1:30 lange Sequenzen für
 "Spannung", "Action", "Angst", "Lösung", "Finale" und so weiter. Diese Musiken können dann 
 unter die Szene gelegt und mit den Dialogen und Geräuschen abgemischt werden. Im Prinzip 
 gleicht dieses Verfahren dem Komponieren für Computerspiele, in denen die Musik ja auch 
 eher einen allgemeinen Klangteppich webt. 


 7. Gab es mehrere Versionen der Titelmelodie?
 Nein.


 8. Wird man dich öfter hören, vielleicht auch in anderen Produktionen?
 Zunächst einmal in den nächsten Folgen von Point Whitmark. Für den Herbst ist noch ein 
 Konzert (mit meiner Musik) in der Kölner Philharmonie geplant, das auch etwas mit 
 Hörspielen zu tun hat, über das ich aber noch nichts erzählen kann. Außerdem leite ich in 
 Köln das (klassische) Vokalensemble "Equinox", mit dem wir ab Sommer konzertieren 
 werden - einfach mal auf meiner Website vorbeischauen


 

Das Interview ist ein Service von HörNews.de.  
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     Ins Netz gestellt am 25. April 2001