Interview - Volker Sassenberg


Volker Sassenberg ist Produzent von Hörspielserien und in aller Munde seit "Point Whitmark". Zum Start der neuen Serie "Gabriel Burns", steht er rede und Antwort. Viel Spaß beim Lesen!!

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Wie kamst du zur Hörspielregie?

Das ist schon die schwierigste Frage gleich zu Anfang. Also, ich bin schon immer totaler Hörspielliebhaber gewesen. Ich habe schon als Kind angefangen, die ganzen Europa-Produktionen zu hören, „Der kleine Muck“, usw. Ich habe auch noch zwei Geschwister und wir haben das ja noch auf Platte gehört, diese zerkratzten Dinger mit diesen komischen Plattenspielern, wo immer mehr Scheppern rauskam, als alles andere. Aber nichts desto Trotz hab ich das total geliebt. Eines meiner absoluten Lieblingshörspiele war zum Beispiel „Alice im Wunderland“ und auch die Karl-May-Geschichten. Da kommt meine Liebe her. Als ich etwas älter war, gab es dann natürlich die „???“-Bücher, und als dann später die Schallplatten erschienen, waren wir natürlich auch alle begeistert. Aber unabhängig davon haben wir das auch alles gelesen. Ich fand, das konnte man nie so richtig miteinander vergleichen. Das war beides toll. Ich war schon immer leidenschaftlicher Musikliebhaber und hab dann irgendwann, nachdem ich auch Jahre lang selber aktiv Musik gemacht habe gesagt: „Okay, ich mache ein Tonstudio auf.“

Das war dann Decision Products?

Genau, das ist eine Produktionsfirma, die ich irgendwann gegründet habe. Wir machen alles mögliche, auch viele Rocksachen. Aber da mein Herz musikalisch auch immer für so programmatische Sachen geschlagen hat, war meine Liebe zur Hörspielmusik natürlich auch da. Und ich habe sehr viel mit Sprechern zu tun gehabt, dadurch das ich auch viel Werbung gemacht habe. Da hab ich dann irgendwann gesagt: „Lass uns doch mal ein Hörspiel machen.“

Und das war „Point Whitmark“?
Nein, ich habe vorher zum Beispiel für Bertelsmann gearbeitet, auch für „Europa“. Da habe ich unter anderem mit Klaus Jürgen Wussow ein paar Produktionen gemacht. Und ich habe Kinderlieder-Produktionen für die gemacht, wo auch ein großer Sprachanteil dabei war.

Wann entstand die Idee zur Serie Gabriel Burns?
Die Idee ist damals parallel zu Point Whitmark entstanden. Ich wollte auf jeden Fall immer diese beiden Genres als Hörspiel machen. Es gibt noch ein anderes Genre das ich gerne machen würde, aber diese beiden vorrangig. Wir haben die ganze Zeit überlegt: „Wie machen wir das?“ Denn wir wollten kein Rip-Off von „John Sinclair“ machen. Wir wollten irgend etwas anderes machen. Das war die Grundidee, ist bestimmt schon 3 ½ Jahre alt.

Wie lange dauerten die Aufnahmen zu Gabriel Burns?
Konkret arbeiteten wir daran etwa 1 ½ Jahre.

Wurde der Soundtrack zu Gabriel Burns ähnlich aufwändig eingespielt wie bei Point Whitmark, z.B. wieder mit dem Nationalen Staatsorchester Weißrussland?
Nein, aber es sind auch wieder Orchesteraufnahmen gemacht worden. Dieses Mal hatte Manuel (Rösler, Anm. d. Verf.) sich bereit erklärt, ein eigenes Orchester zusammen zu stellen. Und dann haben wir das in einer wunderschönen Kirche, die etwas außerhalb von Köln steht, mit denen aufgenommen.

Also nichts aus der Konsereve?
Nein. Das hat einfach damit zu tun, dass alle Leute, die an diesen Hörspielprojekten beteiligt sind, auch große Musikliebhaber sind. Und für mich war immer ganz klar: Wir wollen hier nicht eine reine Wortproduktion machen, sondern der Musikanteil ist ebenso wichtig.

Ist Gabriel Burns auf eine bestimme Anzahl von Folgen festgelegt?
Wenn das mal meine Entscheidung wäre, dann wäre die Antwort leicht, dann würde ich sagen, es ist endlos. Denn ich glaube, dass wir genügend Ideen haben werden. Aber ist das nicht von mir allein abhängig. Das haben wir auch bei Point Whitmark gesehen. Unabhängig davon, dass das Ganze eigentlich überall ziemlich gut angekommen ist, hat sich die Plattenfirma irgendwann außer Stande gesehen, neue Folgen zu machen. Aber zur eigentlichen Frage: Es gibt ein ganz klares Konzept. Der Rücken wird auf jeden Fall voll gemacht. (Anm. d. Verf.: Auf den Rücken der CD-Cover wird der Schriftzug „Gabriel Burns“ zu lesen sein.)

Ich hab mal gerechnet, dass es so ca. 20 Folgen werden müssten, bis der Rücken voll ist...
Köstlich! (lacht) Das mag ich auch total an dieser ganzen Hörspielszene, wie sich da teilweise mit auseinandergesetzt wird.

Verfolgst du auch, was sich im Internet zum Thema Hörspiel so tut?
Teilweise. Ich nehme mir immer vor das nicht zu tun, aber manchmal bin ich dann natürlich doch neugierig. Ich beteilige mich aber nicht an Diskussionen, da bitte ich um Verständnis. Weil das würde das Ganze irgendwie sehr „ans Licht zerren“ und auch so ein bisschen desillusionieren. Ich glaube das es schöner ist, wenn wir uns da ein bisschen im Hintergrund halten.

Nach welchen Kriterien suchst du Sprecher aus?
Tja, danach ob sie sprechen können. (lacht) Zum Beispiel für eine Hauptfigur wie bei Gabriel Burns, oder die drei Hauptdarsteller in Point Whitmark. Einen Sprecher für eine Hauptfigur suche ich danach aus, ob mir jemand sympathisch ist. Da ist nämlich ganz wichtig, da wir ja relativ viel Zeit miteinander verbringen werden. Also, ich hab keinen Bock auf Arschlöcher.

Das setzt voraus, das dir schon ein paar A... begegnet sind...
Ja, ich hab schon ein paar getroffen. Aber ich will´s auch jetzt nicht so einseitig beschreiben. Es gibt auch Leute, die mit meiner Art der Regieführung Probleme haben. Na ja, wir führen richtig Regie, wir nehmen die Leute also richtig ran. Die meisten mögen das total. Und bei den meisten mit denen wir gearbeitet haben, haben wir eigentlich einen recht guten Ruf, aber es gibt Leute, bei denen das halt nicht funktioniert. Und da haben wir uns dann auch schon mal in beiderseitigem Eiverständnis getrennt, aber nur ganz selten.

Sind Synchronsprecher wie Bernd Vollbrecht leicht für ein Hörspiel zu begeistern oder gab es auch Berührungsängste?
Es hat was Gabriel Burns angeht eigentlich von allen Seiten Berührungsängste gegeben, weil das teilweise natürlich schon ziemlich heftiger Stoff ist und die Leute auch nicht wussten, wo wir eigentlich hin wollen. Das ist aber ganz normal, das hat es damals bei Point Whitmark auch gegeben. Zwar nicht was den Härtegrad angeht, aber... Viele kennen uns ja auch nicht. Aber da wir inzwischen sehr guten Leumund haben waren die irgendwann sicher, dass das was vernünftiges wird. Was Bernd Vollbrecht angeht: Wir haben jemanden gesucht, und da haben wir längere Zeit gesucht, der auch dieses Zerbrechliche mitbringt. Wir wollten keinen Machotypen haben.

Das kann er ja auch, als Synchronstimme von Antonio Banderas.
Ja. Aber es ist immer ein leichter Anflug von Melancholie in der Art zu sprechen. Das gefällt mir persönlich sehr, sehr gut. Wie gesagt, wir wollten keine John-Sinclair-Figur machen. Das war ein sehr wichtiger Aspekt für diese Arbeit. Wir haben auch sehr viele Demos gehört, und irgendwann rief mich Raimon (Weber, Anm. d. Verf.) an, denn wir machen das immer parallel, und er sagte: „Sag du zuerst.“ Und ich sagte: „Bernd.“ Und er: „Ja, hätte ich auch entschieden.“ Dann haben wir mit ihm gesprochen, ihm das Konzept erklärt, und dann hat Sven Plate ihm noch erklärt, dass das gut ist, was wir machen. Dann war´s eigentlich kein Problem.

Hast du alle Sprecher bekommen, die du wolltest?
Peter Matic hätten wir gerne mal gehabt. Es ist so: Manchmal hat man eine konkrete Vorstellung von etwas, was man gerne hätte, es muss aber nicht unbedingt gut sein, wenn man´s dann auch bekommt. Und dann bekommt man jemand anderen und denkt: „Wow, das ist ja auch geil.“ Da ist mal so, mal so. Aber ansonsten wollen eigentlich alle immer gerne mit uns arbeiten.

Warum hast du vor der Veröffentlichung von Gabriel Burns Sätze wie „Die drei ??? und John Sinclair werden mit ihrer Zukunft konfrontiert.“ gebraucht?
Das hab ich gar nicht gesagt, das hat die Plattenfirma gemacht. Ich habe längere Zeit mit der Plattenfirma über dieses Thema geredet, ob wir da irgendwie „auf die Sahne hauen“ sollten. Aber ich bin eigentlich nicht der Typ. Es gab einfach seitens der Plattenfirma den Wunsch, auch ein bisschen mit solchen Aussagen zu provozieren. Und letzten Endes hat das ja auch funktioniert. Also der eine Satz, den ich da gesagt habe und der auch auf der Webseite steht, den hab ich.... (überlegt) Weißt du, was willst du machen? Soll ich rausgehen und sagen: „Unsere neue Serie ist scheiße.“? Ich sag mal so: Jeder der mich kennt weiß, dass ich zwar manchmal einen an der Schraube habe, aber ich bin kein totaler Angeber.

Also: Klotzen gehört zum Geschäft?
Ja klar, ich bin auch, was den Vergleich zu John Sinclair angeht, jetzt komme ich zur nächsten Frage...

Nervt der dauernde Vergleich mit John Sinclair?
Wenn das jemand damit vergleicht: Hey, das ist doch toll. Ich meine, besser als wenn man mit irgend einem Scheiß verglichen wird. Ich finde, die Sinclair-Produktionen sind wirklich großartig, aber wir machen halt keinen John Sinclair. Weil unser Schwerpunkt liegt ja auch darin, dass wir uns erst mal die Geschichten ausdenken müssen. Darin besteht eigentlich die Hauptarbeit, in den Konzepten usw. Denn wir produzieren ja nicht irgend etwas herunter.

Ihr könnt also auf keinen „Pool“ von Geschichten zurückgreifen?
Und das wollten wir auch nie. Ich habe das bis jetzt auch abgelehnt. Ich hatte ein paar Anfragen für andere Produkte und hab immer gedacht: „Das ist alles nicht unser Zeug.“ Und das war für uns eigentlich immer der Hauptreiz. Ich meine, wenn man sich überlegt, wie lange es John Sinclair schon gibt...

Die feiern dieses Jahr ja 30-jähriges Jubiläum.
Ja, und wenn man dann ein ganz neues Produkt auf den Markt bringt, und sofort damit verglichen wird, das ist doch super. Das macht mich total stolz. Wie gesagt, die Sinclair-Produtkionen finde ich großartig, und Oliver Döring macht wirklich absolute Top-Arbeit. Trotzdem denke ich, das kann man wirklich nicht ganz miteinander vergleichen.

Warum gab es einen Exklusiv-Vertrag mit Karstadt, WOM und Schaulandt?
Das sind Vertriebsgeschichten, da halte ich mich mehr oder weniger raus. Da hab ich zwar schon Einfluss drauf, aber da vertraue ich einfach auf die Leute, die das wirklich können. Die mischen sich ja auch nicht in meine Produktionen. Der Gedanke dahinter war: Karstadt hat angeboten, das auch in die Werbung mit rein zu nehmen, und solche Werbeplätze in den Katalogen sind heiß umkämpft. Und da man bei Karstadt auch schon immer begeistert über Point Whitmark war, war eben der Gedanke da, sich diese Serie exklusiv zu sichern. Und es ist ja zeitlich begrenzt.

Das heißt?
Ich weiß nicht, ob ich das sagen darf, aber ich sag´s trotzdem. Es ist ja nur drei Monate so, so wie ich das verstanden habe.

Warum wurde Point Whitmark vorübergehend eingestellt? (Anm. der Redaktion: Neuaufalgen erscheinen im Januar 2004)
Eine ganz einfache Antwort: Die Firma Edel war damals meine absolute Wunschfirma, das war ja damals auch so ein Börsen-Wunderkind. Und gerade als wir die erste Staffel raus hatten, kriselte es da. Zusammen mit EM-TV haben die ja total den Abgang gemacht. Und irgendwann hatten die dann mehr oder weniger Investitionsstopp innerhalb der Firma. Die durften dann wirklich nur noch Produktionen machen, die auch 100 %ig sofort ihre Kosten wieder einspielen, bzw. Gewinne erwirtschaften. Das heißt, alle andern Dinge, die längerfristig gedacht waren, waren ihnen dann ein Klotz am Bein.

Gab es damals von euerer Seite Überlegungen, die Serie komplett einzustellen, oder hattet ihr immer den Plan, die Serie, eben auf einem andern Label fortzuführen.
Ich werde damit niemals aufhören. Warum auch? Ich höre dann auf, wenn uns nichts mehr einfällt. Aber ich lasse mir doch nicht vorschreiben, wann wir unsere Serien einstellen. Das sind alles Konzerne, die sind mehr oder weniger seelenlos. Dieses Herzblut, diese Tonnen von Arbeit die da drinstecken, das lass ich mir doch nicht zerlabern von irgend ´nem Plattenfuzzi. Das sind alles Leute, die auch mehr oder weniger gute Arbeit machen, aber nachvollziehen können sie es nicht.

Es fehlt eben der Bezug zum Produkt.
Ja, und woher sollen sie den auch haben. Das sind halt Leute, die morgens zur Arbeit gehen, und nachmittags nach Hause. Das ist ja anders, als wenn man das alles „mit den eigenen Händen“ macht. Und da meine ich jetzt nicht nur unsere Branche. Es gibt andere Berufe, da ist man mit seinem Produkt ähnlich intim. Und das kann kein Angestellter wirklich nachvollziehen. Das ist auch menschlich und völlig in Ordnung, nur wäre es sehr traurig, wenn die in Zukunft alles bestimmen.

Welchen Einfluss wird der neue Vertrieb Kiddinx auf deine Arbeit als Regisseur, die Covergestaltung, die Sorecherauswahl usw. haben?
Kiddinx möchte die Serie weiterführen, weil sie einfach das Produkt super finden. Das war auch die Grundlage, das heißt, die werden uns da überhaupt nicht inhaltlich reinreden. Da waren wir uns auch sofort einig. Einzig den Schriftzug haben sie ein bisschen verändert. Das passiert aus Marketinggründen. Auch da halte ich mich ein bisschen zurück. Ich kann damit leben. Nicht damit leben könnte ich, wenn mir jetzt jemand sagen würde: „Da muss jetzt noch ein blauer Pinguin mitspielen.“, oder so.

Was wirst du bei den neuen Point-Whitmark-Folgen besser machen?
(Schnitte, „sterile“ Atmosphäre, überzeichnete Charaktere) Garnichts. (lacht) Ich werde euch weiter mit langen Pausen nerven. Das Lustige ist ja: Es ist noch keiner auf die Idee gekommen, dass das vielleicht Absicht war.

Ach so?
Ja, als würden wir das nicht hören, dass da ´ne Pause ist. Ich baue die Pausen ja rein. Und ich mache das aus ganz bestimmten Gründen. Weil ich es total ablehne, dass alles so extrem schnell geschnitten ist. Wenn ich mir heute bestimmte Fernsehsender ankucke, geht es mir dermaßen auf die Eier, in was für einem Tempo da Dinge durchgerasselt werden, und zwar auf Kosten von Spannung und Dramaturgie. Deswegen möchte ich ab und zu einfach mal kurz innehalten und sagen: So,..... Und jetzt geht´s weiter.“

Es ist ungewohnt.
Ja, aber nimm doch zum Beispiel John Sinclair. Der ist extrem schnell geschnitten. Das kann man so machen, das ist ein Frage des Stils. Aber John Sinclair gibt´s doch schon. Jetzt machen wir mal was anderes. Es muss ja nicht alles gleich sein.

Mir ist aufgefallen, dass einige Figuren ziemlich stark überzeichnet dargestellt werden, z. B. Sheriff Baxter oder Wayne Hancock. Muss das sein? Point Whitmark soll doch eine normale Stadt sein. Warum müssen da ein paar Freaks rumlaufen?
Was heißt „ein paar“? Also, wem´s noch nicht aufgefallen sein sollte: Die sind doch alle irre, die da rumlaufen. (lacht)

Ja, aber warum muss man die so überdrehen?
Also bei der Produktion machen wir natürlich letzten Endes was wir wollen und was uns Spaß macht. Und wir haben nun mal Spaß daran, Kasperle-Theater zu spielen. Ich liebe Kasperle-Theater. Und irgendwie ist das Ganze so eine große „Comedia del Arte“-Veranstaltung, und der Eine hat ein lustigeres Kostüm als der Andere. Und es war niemals unser Anspruch zu sagen: „Das sind jetzt alles ganz normale Typen.“ Sondern eher genau das Gegenteil. Ich bin absoluter Fan von Verfilmungen, wie z. B. „Miss Marple“ mit Margret Rutherford. Und da laufen nur Irre rum.

Aber doch nicht zu übetrieben.
Na, jetzt sei mal ehrlich. Kuck doch allein Miss Marple selber an, oder diesen Mr. Stringer. Das sind alles Typen. Und letzten Endes ist das der Grund warum man, wenn man von Miss Marple spricht, immer diese Verfilmungen meint, denn es gibt ja viele Verfilmungen. Aber alle anderen sind öde. Denn die eigentliche Miss Marple, so wie sie von Agatha Christie gedacht war, war ja eigentlich eine sehr zurückhaltende Frau, bieder usw. Und da hat sich dann halt mal jemand gedacht: „Da machen wir jetzt so ´ne Rampensau draus.“ Und das ist doch geil. Abgesehen davon liebe ich auch einfach komische Geschichten.

Aber muss Komik immer so auf die Holzhammermethode kommen, nicht etwas wohl dosierter?
Ihr argumentiert natürlich aus eurer Sicht völlig korrekt. Aber wir wollten ja auch kein Produkt für Leute in unserem Alter machen. Wir wollten was für Kinder machen. Und da hat sich noch keiner beschwert. Das finde ich sowieso in anderen Serien ein bisschen bierernst. Wenn du dich z.B. daran erinnerst, wie die „drei ???“ damals angefangen haben. Da waren auch ganz viele schräge Vögel dabei, wie Miss Agawam oder so, wo man auch manchmal dachte: „Oh, was ist denn da los?“ Wenn man dann heute sieht, wie´s in manchen Folgen eher bierernst zugeht, da kann man schon ab und zu sagen: „Hey, nehmt euch mal bloß nicht so wichtig hier.“ (lacht) Also wir wollen Kasperle-Theater machen. Und das machen wir übrigens auch weiter.

Inwiefern berücksichtigt ihr Kritik von Hörern und Fans? Nehmt ihr Kritik von Fans ernst?
Nö. (lacht) Was willst du denn machen? Es gab vor einiger Zeit mal eine Umfrage: Was ist deine Lieblingsfolge? Und dabei ist eines auf jeden Fall rausgekommen: Es gibt keine Lieblingsfolge! Es gibt keine Folge bei der man sagen könnte, die finden alle gut, oder die finden alle scheiße. Und das spiegelt eigentlich doch die reale Situation wider. Der Eine findet Wayne Hancock supersch*ße und der Andere findet ihn einfach total geil. Was sollen wir denn da jetzt draus machen? Wir können ja nicht jedem eine eigene Serie schreiben. Aber die Tatsache alleine, dass sich jemand die Mühe macht, und uns schreibt: „Ich finde Wayne Hancock doof.“, das finde ich toll. Das heißt aber doch nicht für uns, dass wir dann sagen: „Ey, der Fritz findet den Hancock doof, den nehmen wir nicht mehr rein.“ Aber was war das mit dieser „sterilen Atmosphäre“?

Das kann ich auch schwer beschreiben. Alles klingt so glatt, so seelenlos...
Ich kann mir ungefähr vorstellen, was die Leute meinen. Aber es ist ja so: Da hat man sich als Hersteller von Audiogeräten Jahrzehnte lang damit auseinander gesetzt, Sounds zu verbessern. Und wenn´s dann hinterher richtig gut und sauber klingt, dann heißt´s wieder: „Ey, das klingt alle so steril.“ Was soll ich sagen? Wie man´s macht, man macht´s verkehrt. Aber ich glaube, das Verkehrteste von allem wäre, wenn man es gar nicht machen würde. Und natürlich sind wir hier totale Hi-Fi-Freaks. Ich arbeite Stunden lang daran, alles möglichst sauber zu machen. Und das mache ich ja nicht, um jemanden zu ärgern. Aber wenn ich zum Beispiel bei den „drei ???“ höre, dass die in der Wüste sind, und ich höre trotzdem immer den selben Raum, in dem sie sich unterhalten... Wenn man da schreiben würde, dass das bescheuert klingt würde ich sagen, okay. Aber so lange das keiner anmerkt, lass ich mir nicht sagen, dass unsere Produktionen steril klingen. Ich finde sie klingen schon bemüht (lacht), also bemüht im positiven Sinne.

Wird es irgend welche Veränderungen bei der Stammbesetzung geben?
Nein.

Welche Art von Bonus wird es auf der neuen Auflage der Point-Whitmark-Folgen 1-4 geben?
Es gibt glaube ich irgend welche Beilagen. Und es gibt vor allen Dingen auch kleine Zusatztracks.

Outtakes?
Nein, keine Outtakes. Da machen wir gerade ganz neue Sachen, die noch mal ein bisschen auf die Folge eingehen. Ein kleiner Gimmick eben. Natürlich möchte die Plattenfirma die Leute neugierig auf die neue Auflage machen. Das kann man ihnen natürlich nicht verübeln. Und ich finde das auch charmant. Besser als wenn man gar keine Idee hätte.

Und es werden auch alle 10 bisherigen Folgen wieder bei Kiddinx erscheinen?
Ja, und darüber hinaus. Da kannst du sicher sein. (lacht)

Bei Point Whitmark gab es ja auch eine kurze Zeit lang Bücher. Werden diese wieder erscheinen, und sind auch Bücher zu Gabriel Burns in Planung?
Lustigerweise hatte die Firma Edel mit dem Verlag eine Vereinbarung getroffen, die besagt, dass es immer neue Folgen geben wird. Als dann der Buchverlag das erste Buch veröffentlicht hatte, hat Edel gesagt: „Wir machen aber keine neuen Folgen mehr.“ Da war der Buchverlag natürlich nicht besonders motiviert und entsprechend stiefmütterlich wurde auch mit den Büchern umgegangen, was auch verständlich ist. Sprich: Es wird Point-Whitmark-Bücher geben, aber unter anderen Umständen, mit einem anderen Verlag. Bei Gabriel Burns sind wir gerade auf der Suche nach einem Verlag.

Was macht einen guten Hörspielsprecher aus?
Das ist ganz einfach zu beantworten. Man muss seine Mimik hören können. Man weiß eigentlich ohne dass man ihn sieht, was er gerade für ein Gesicht zieht. Und das finde ich faszinierend. Das ist auch die große Kunst. Das ist auch der Grund, warum wir meistens nicht selber mitsprechen, weil wir so was nicht können. Das gibt´s ja auch, dass Leute ihre Produktionen halb selber sprechen. Das ist natürlich albern.

Was macht einen guten Hörspielregiseeur aus?
Keine Ahnung. Ich glaube, er sollte einfach bei der Sache sein, er sollte das was er tut lieben.

Im März erscheinen bereits die nächsten drei Burns-Folgen. Kannst du uns die Titel verraten?
Die nächste Folge heißt „Die fahlen Orte“. Die anderen Titel darf ich noch nicht verraten, sie stehen aber schon fest.

Was planst du sonst noch für das nächste Jahr? Oder seid ihr mit Gabriel Burns und Point Whitmark genügend ausgelastet?
Ja, das ist alles ziemlich viel Arbeit, wenn man allein bedenkt wie lange wir an einer Folge von Gabriel Burns arbeiten. Eine Hörspielproduktion, die jetzt nicht so aufwändig ist wie ein Film, aber die bei uns von drei Personen gestemmt wird, bedeutet im Verhältnis zu einer Filmproduktion mit Sicherheit mehr Arbeit für jeden Einzelnen als bei einem Film. Das wage ich jetzt einfach mal zu mutmaßen. Außer vielleicht für den Regisseur.


Das Interview wurde von Markus Stengelin im November per Telefon geführt.
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